Vom antideutschen Neokonservativismus zur religiös-rassistischen Ideologie

Die « antideutsche » Ideologie, oder jedenfalls einige ihrer Ausdrucksformen, sind in den letzten 4 bis 5 Jahren zunehmend zum Feigenblatt des Übergangs ehemaliger Linker (und anderer politisch gescheiterter Existenzen) zu neokonservativen und neoreaktionären Attitüden geworden.

Dies ist bekannt. Neu ist, dass dieses Phänomen – sich abhebend von dem eher drögen Belehrungsstil des historischen « Gründerorgans », des Zirkulars Bahamas – inzwischen in relativ vielfältiger und teilweise hipp daher kommender Form Eingang beispielsweise in die Blogger-Szene gefunden hat. So, wie sich bei einer gewissen Jeunesse dorée ein bestimmter blasierter Lifestyle unter dem Label « antideutsch » herausgebildet hat, gibt es auch einen neuen Blog-Style. Auf der ersten Blick scheinbar verwirrend wirkt der virtuelle Blätterwald von Organen, die grobenteils miteinander vernetzt sind. Auch wenn die Publikationsarbeit oft nur von einer Handvoll Leuten betrieben wird, ergibt sich das Bild eines scheinbar beeindruckenden Ideologie-Netzwerks.

Ohne allzu weit in dessen Untiefen vordringen zu wollen, da der Mensch noch andere Hobbys im Leben hat auber der Lektüre von Ideologie überladenen (Web-)Texten, seien dennoch im folgenden (nur) ein paar besondere Prachtexemplare vorgestellt. Hingewiesen sei noch darauf, dass die « antideutsche » Szene und Ideologie tatsächlich keinen monolithischen Block bilden, sondern heterogen sind. Da finden sich wohlmeinende jüngere AntifaschistInnen, denen die antideutsche Ideologie als Ansatz für besonders radikale Gesellschaftskritik (in einer Phase der Orientierungssuche und des Perspektivenmangels, nach dem 2000er Sommer der Staats-Antifa mit Kanzler Schröders « Aufstand der Anständigen ») präsentiert worden ist, neben wesentlich abgeklärteren und zynischeren Altkadern, die wohl wissen, welches politische Geschäft sie da betreiben. Ihnen dient die « antideutsche » Ideologie als Einstiegsdroge für die Übernahme zum Teil konservativ-liberaler, zum Teil aber auch erheblich weiter rechts angesiedelter Gedankengebäude.

         Das türkische Militär, (gewaltloser) Garant der Zivilisation

         Beginnen wir mit einem kurzen Blick auf ein Blog-Organ, das insofern originell ist, als es Fubballbegeisterung und – kommentare und die (so weit durchaus ganz richtige) Formulierung von Abneigung gegen schwarz-rot-goldenen Nationalismus aus Anlass der WM mit einer bestimmten Ideologie in aubenpolitischen Belangen vermengt und vermischt. Letztere lässt sich kurz und knapp so skizzieren: Jede Kritik an der Politik des Staates Israel oder seinem militärischen Agieren ist für illegitim zu erklären ; die USA verbreiten die Zivilisation ; und Unterdrückung auf der Welt findet sich hauptsächlich im Islam. Wer also auf der Welt Herrschaft und Unterdrückung anprangern möchte, sollte sich möglichst weitgehend auf den Iran konzentrieren, um sich aus der Ferne als heldenhafter Widerstandskämpfer gegen das (als solches absolut bekämpfenswerte, dies soll hier nicht bestritten werden!) dortige Regime fühlen zu können. So lässt sich prima zu Demonstrantionen gegen den – erwarteten, aber gar nicht eingetretenen – Staatsbesuch von Präsident Ahmedinedjad aufrufen, bei denen dann etwa der bayerische Innenminister Günter Beckstein spricht, der nicht eben unschuldig darin ist, wenn aus deutschen Landen iranische Asylsuchende zurück in die dortigen Verhältnisse abgeschoben werden. Aber die Wege « antideutscher » Realpolitik sind nun mal unergründlich.

Kenner der Szene haben ihn also erkannt, den Blog lizaswelt.blogspot.com. Richtig interessant wird es  aber, wenn die Verantwortlichen für die Homepage Inhalte von Anderen übernehmen, und namentlich von ihren US-amerikanischen Vorbildern und Verbündeten. Dann lässt sich nämlich am konkreten Beispiel und anhand der kleinen, aber feinen Unterschiede zwischen (englischsprachigen) Originaltexten und (deutschsprachiger) Rezeption schön anschaulich nachvollziehen, durch den Einfallswinkel welch ideologisch verzerrter, schiefer Optik da die Realität auf dieser Welt wahrgenommen wird. 

         In einem Eintrag vom 11. Juni 2006 stellten die Webpage-Macher einen Text unter der Überschrift « Laizismus oder Barbarei » über die Republik Türkei und einen eventuellen EU-Beitritt dieses Staates auf ihre Website. Das Original dieses Beitrags erschien auf Englisch unter einem anderen Titel, auf der Homepage eines politisch rechts orientierten US-Amerikaners jüdischer Konfession, der (wie seine Homepage illustriert) eine Vorliebe für militaristische Haltungen und namentlich einen ausgeprägten Luftwaffenfimmel hat. Und zwar hier:  franklinrosenfeld.blogspot.com/2006/06/worthy-friend-true-ally-and.html 

Dabei fällt auf, in welchem Ausmaß hier Zitatfälschung betrieben wird, obwohl der deutschsprachige Blog doch vorgibt, den Originalbeitrag lediglich aus dem Englischen übersetzt und redaktionell überarbeitet zu haben. Und hier wird es politisch interessant, weil die Unterschiede zwischen dem Original und der Übersetzung die Mechanismen der politischen Manipulation offenlegen. 

Im Original heißt es – vollkommen im Sinne einer kalt-zynischen Geopolitik, die nur danach fragt, wo « unsere Freunde » (die der USA) sitzen und darauf auch gern mal « bei Pinochet » antwortet – über die Türkei, sie sei eine befreundete Macht. Zur Begründung wird ausgeführt, was es dort angeblich n i c h t gegeben habe (« what Turkey has done Without »). Originalton: 

« At the risk of defining the civilizational standard downwards, here is a list of what Turkey has done without since its founding: 

- Violent military coups
- Wars of aggression against sovereign countries
- Killing of minorities or opposition groups
- Radical Socialism
- Fascist-inspired dictatorship
- Civil War
- War against a Western country
- Radical Islamic repression
- War against, low-intensity conflict with, or even boycott of Israel. »        

Der Autor behauptet also glatt, dass es in der Türkei k e i n e « violent military coups » gegeben  habe. Ach nee? Und was war dort, zum Beispiel, am 12. März 1971 und am 12. September 1980 los? Aber wahrscheinlich handelte es sich dabei um « non violent military coups », weil ja Militärputsche mit Rückendeckung durch die NATO keine böse Gewalt darstellen können. Ferner hat es in der Türkei auch k e i n « killing of minorities of opposition groupes » gegeben. Ach nein? Und die türkische Linke nach dem Militärputsch von 1980 ist nicht gekillt worden? Aber das sind ja nur böse Kommunisten, darauf kommt es also nicht an. Und schlieblich kann es natürlich in einem so wunderhübschen Land auch k e i n e n « civil war » gegeben haben, und folglich auch nicht in Kurdistan/Südost-Anatolien. Darüber hinaus wird natürlich besonders positiv angerechnet, dass es keinen « radical socialism » gegeben habe, also keine über die engen Grenzen einer durch die Oligarchie kontrollierten Staats- Sozialdemokratie hinaus gehenden « linken Experimente ». Nein, letzteres hat es auch wirklich in der Türkei von Staats wegen nicht gegeben, da lässt sich die US-amerikanische Rechte tatsächlich beruhigen…  

Und jetzt wird es spannend, denn nun kommt die angebliche deutsche « Übersetzung » dieser Liste durch die Neocon-Antideutschen. Originalton Lizas Welt also:  

«  … sollen hier Ereignisse und Zustände aufgelistet werden, die der Türkei seit ihrer Gründung erspart geblieben sind: 

 # Angriffskriege gegen souveräne Staaten
# Faschistisch geprägte Diktaturen
# Bürgerkrieg
# Krieg gegen den Westen
# Radikalislamische Unterdrückung
# Realsozialismus
# Krieg gegen, Konflikt mit oder auch "nur" ein Boykott von Israel. » 

Wow! Gekonnt, wie man da versucht hat, politische Fettnäpfchen zu umgehen, um zu versuchen, bei (ehemaligen) Linken nicht so sehr anzuecken. Eine akrobatische Meisterleistung… Man beachte folgendes: 

1) Die angeblich fehlenden Militärputsche sind klammheimlich, sang- und klanglos aus der Liste verschwunden. Da wussten die Übersetzer vielleicht gar zu gut, dass diese Behauptung, die bei ihrem US-amerikanischen Freund erhoben wird, schlichtweg nicht stimmt. Aber gleichzeitig bogen sie sein Denken derart zu Recht, dass es dem aufnahmewilligen Publikum besser präsentierbar wird, und verschleiern so sang- und klanglos die wahre Natur des politischen Denkens des apologetisch zitierten Franklin Rosenfeld. 

2) Die bei Rosenfeld positiv verzeichnete Absage an « radical socialism » (die bei ihm ziemlich weit oben steht) ist in der Liste ganz nach unten gerutscht; vor allem aber wurde « radical socialism » übersetzt durch « Realsozialismus ». Das ist nun aber wirklich billige Rosstäuscherei und Publikumsverarschung: Distanz zum Realsozialismus (à la Stalin oder Breschnew) können kritische Linke ja ebenfalls haben, und sie sollten ihm bzw. seinen Staatsapparaten sogar reserviert zu allen Zeiten besser reserviert gegenüber stehen. Dennoch sollten kritische Linke natürlich für einen Bruch mit dem Kapitalismus eintreten. Durch einen billigen Trick wird an dieser Stelle aber den (ehemaligen) Linken, welche die Neocon-Antideutschen mit ihrem Propagandagift bearbeiten möchten, verheimlicht, dass das politische Denken des tollen US-amerikanischen Vorbilds n i c h t   a l l e i n den stalinistisch deformierten  « Realsozialismus », s o n d e r n vielmehr jegliche Form von « antikapitalistischem Experiment » klar verurteilt. 

3) Die Falschbehauptung, es habe keinerlei « Bürgerkrieg » in der Türkei (und damit auch nicht im Südosten ihres Staatsgebiets) gegeben, blieb hingegen nach wie vor in der Liste stehen.        

         Die rassende (Internet-) Reporterin 

Es kommt aber noch doller, betrachtet man, auf welche anderen Webpages von dort aus verlinkt wird. Auch hier soll nur eine besonders prächtige Auswahl vorgestellt werden. 

An sehr prominenter Stelle wird dort auf die Homepage einer selbsternannten « Journalistin » (die in Wirklichkeit noch nie mehr Investigationen betrieben hat, als das Internet zu durchforsten und die Ergebnisse in wirrer Form aneinander zu reihen) verlinkt. Es handelt sich um die, nach eigenen Angaben, ehemalige Linke und – dies war jedenfalls der Stand im Jahr 2005 – spätere FDP-Wählerin Gudrun Eussner. 

Nachdem die Dame bis im Jahr 2002 in der Berliner Redaktion der Online-Publikation Kalaschnikow mit manchen fragwürdigen Gestalten zusammengearbeitet hatte, die ganz gerne an einer « Querfront » vorgeblicher Systemgegner von rechts und links gebasteltet hätten, stieg sie dort mit grobem Knall aus. So weit, so gut und richtig. Doch in der Folgezeit meinte sie – ein gebranntes Kind sieht das Feuer überall, und vor allem bei den Anderen –, überall angebliche « Querfronten » ausmachen zu können. In Artikeln, die an argumentativer Schwäche kaum noch zu über- bzw. unterbieten waren, behauptete sie etwa nach ihrer Ansiedlung im südfranzösischen Perpignan, per Internet-Prognose die Vereinigung ATTAC Frankreich als « rot-braunes Querfrontprojekt » entlarven zu können. Der Schuss ging freilich inhaltlich gründlich daneben.  

Später, nach einigen weiteren politischen Kapriolen, ist die Dame nun allerdings erneut am Basteln eigener Querfront-Strategien jenseits von Rinks und Lechts angekommen. Mitunter verlinkte sie in jüngerer Vergangenheit offen rassistische Webpages als Quellenangabe für Schandtaten von Moslems und linken Journalisten. Auch Homepages von rechtsradikalen ehemaligen Algerienfranzosen, die 1962 aus der früheren französischen Kolonie ‘vertrieben’ wurden, verlinkte sie noch in allerjüngster Zeit. Findet sie doch dort Bestätigung darüber, wie abgrundtief böse die Araber und Moslems doch sind. So verlinkt sie einen Kurztext einer « Vertriebenenvereinigung » ehemaliger Algeriensiedler in Nizza (Nice.algerianiste ; die Bezeichnung « algerianistes » geben sich jene Kreise, die am Ende des Algerienkriegs für eine weitere gewaltsame Aufrechterhaltung der französischen Herrschaft über Algerien eintraten). In dem Kurztext geht es um die gewaltsamen Ausschreitungen, die am 05. Juli 1962, dem Tag der algerischen Unabhängigkeit, in Oran gegen die dort ansässige europäische Kolonialbevölkerung stattfanden. Diese Übergriffe sind eine historische Realität – aber kein Wort fällt natürlich in dem Artikel darüber, dass der Hass auf die in Oran ansässigen Europäer darin wurzelte, dass die rechtsextreme Terrororganisation OAS (Bewaffnete Geheimorganisation) dort besonders stark verankert war und kurz vor Ende des Algerienkriegs verheerende Bombenanschläge und Artelleriebeschüsse gegen die arabische Zivilbevölkerung verübt hatte. Am 02. Mai 1962 etwa starben bei einem verheerenden Terroranschlag der Rechtsradikalen 62 arabische Einwohner auf einen Schlag. Und erst recht findet sich nicht einmal eine Andeutung darauf, dass die (wenigen und lokal begrenzten) Übergriffe auf Europäer, die am Tag der Entkolonialisierung Algeriens stattfanden, nur den Schlusspunkt eines kriegerischen Konflikts bilden. Nämlich des Algerienkriegs von 1954-62, in dem auf französischer Seite nach offiziellen Pariser Angaben 27.000 Soldaten und knapp 3.000 europäische Zivilisten starben – aber auf algerischer Seite 1,5 Millionen Menschen nach algerischen Angaben (das offizielle Frankreich wollte zunächst 200.000 algerische Tote anerkennen), zum allergröbten Teil ZivilistInnen. Einen Hinweis auf diese ungleiche Opferzahl und das koloniale Unterdrückungsverhältnis, das dem Konflikt voraus ging, würde man bei Gudrun E. und ihren Stichwortgebern von der französischen Lobby der « Vertriebenen » aus Algerien selbstverständlich vergeblich suchen. (Quelle: www.eussner.net/fundsachen_2006-07-07_14-54-47.html , Eintrag  vom 07. Juli 2006). 

Vor dem Jahr 2002 war die Dame vor allem auf die Kritik der US-Außenpolitik spezialisiert. Doch längst hat sie sich ein anderes Steckenpferd gefunden, das auch nach weit Rechts hin Anschluss zu finden erlaubt. Sie hat sich nunmehr die Verteidigung der Christen und Juden gegen den Menschheitsfeind « Islam » zum ureigenen Anliegen gemacht. Dabei argumentiert sie von einem religiösen, nicht einem religionskritischen Standpunkt aus (denn letzterer böte eine Grundlage, von der aus sicherlich berechtigte Kritik an den Inhalten des Islam, aber auch aller anderen Religion geübt werden könnte). Regelmäbig bezieht die Autorin sich auf ihrer Homepage positiv etwa auf christliche und jüdische Feiertage, während alles auch nur entfernt moslemisch Wirkende mit Hass überzogen wird. Und dem Antisemitismus, den sie bekämpft, gibt sie eine religiöse Erklärung, die ebenso schief ist wie dazu führt, (in seltsamer Übereinstimmung, an diesem Punkt, mit dem Antisemiten Martin Hohmann und nach dessen Worten) die « Gottlosen » als das wahre « Tätervolk » der Geschichte auszumachen. So gibt die holde Dame in der Rubrik « Weisheiten » ihrer Homepage, die eine Mischung aus haarsträubenden Banalitäten und knallharten ideologischen Leitsätzen enthält, folgende Weisheit wieder:  

« Die Juden haben der Welt Gott erklärt, und jeder Gottlose fühlt sich in ihrer Gegenwart schuldig und reagiert mit Ressentiments. Die Juden spiegeln seine eigene Gottlosigkeit, und deswegen hasst er sie. » (Quelle: http://www.eussner.net/schaf_2005-08-31_14-41-03.html  ) Eine, gelinde ausgedrückt, merkwürdige Erklärung für die « Rassen »ideologie des modernen Antisemitismus… 

Ansonsten aber führt sie vorwiegend einen Kampf für die guten Religionen (Christen- und Judentum) gegen die böse Religion (den Islam). Geradezu besessen arbeitet die sanfte Dame sich an einer fixen Vorstellung ab, die man ohne gröbere Unter- oder Übertreibung so auf den Punkt bringen kann: Die Moslems sind unser Unglück! 

         Vieles weitere leitet sich aus diesem Leitsatz ab: Die Darstellung von Einwanderung als Bedrohung, die Sicht auf die internationalen Beziehungen und Machtverhältnisse, die Einteilung der politischen Landschaft in Gut und Böse. Aber der Reihe nach.  

Die Moslems sind unser Unglück 

In ihren eigenen Worten nimmt die Dame eine klare Freund-Freund-Bestimmung vor, und die lautet so: 

         « Der Feind heißt Islam – das könnte jeder zurecht behaupten, der nur die Grundzüge der 1400 Jahre währenden Geschichte der sengenden und erobernden Muslime studiert hätte, und der sich die heutige Verfaßtheit sowie die politischen Maßnahmen der islamischen Staaten und islamischer Gesellschaften, Gemeinden und Terrorgruppen ansieht, von Marokko bis zu den Philippinen und den islamischen Vereinigungen in Europa und den USA. (…) Der Feind ist Islam, die Lehre Mohammeds, der im 7. Jahrhundert einen Eroberungs- und Raubkrieg losbricht gegen die Christen und Juden. Der Islam erklärt den Glaubenskrieg zur Verpflichtung, bis die ganze Welt islamisch ist. »

Die gesamte Menschheitsgeschichte der letzten anderthalb Jahrtausende lässt sich, folgt man der Dame, auf diese Lehre herunter brechen. (Im damaligen teil-moslemischen Spanien lebte es sich vor 1492 und dem Abschluss der katholischen Reconquista, mit ihrem Gefolge aus Inquisition und abschliebenden Vertreibungen von Arabern und Juden, wohl besser als nach diesem Datum? Pah, uninterssant!)    

Vor allem lässt sich das Analyseraster mittelalterlicher Religionskriege ohne weitere Skrupel bruchlos auf die Politik des 20. oder 21. Jahrhunderts anwenden. Und selbst beispielsweise auf die Problematik des Kosovo und der dortigen albanischen Bestrebungen, die vielleicht so manches mit völkischem Nationalismus, aber herzlich wenig mit Islam zu tun haben. Erneut Originalton Gudrun E.:  

« Der Feind ist der Islam, das ist seit dem 7. Jahrhundert d.Z. bekannt. Trotz der arabischen Eroberungen, ständiger Überfälle der Araber auf byzantinisches Territorium sowie Verlust der Seeherrschaft der Byzantiner kämpfen christliche Slawen und Bulgaren gegen das christliche Byzanz, das sich nach allen Seiten zu wehren hat. Warum machen sich die römisch-katholischen Kreuzzügler über die Stadt Byzanz und ihre Umgebung her und plündern sie aus, anstatt gemeinsam mit den Byzantinern gegen die muslimischen Osmanen vorzugehen? (…)Warum stützen die USA nicht die christlichen Serben, die im Zweiten Weltkrieg auf der Seite der Alliierten kämpfen, sondern die muslimischen Kosovo-Albaner, obgleich sie im Sinne ihres Propheten im Lande die Kuffar  (ANMERKUNG: Ungläubigen) vergewaltigen, vertreiben oder ermorden? »  (Quelle: www.eussner.net/artikel_2006-06-14_19-55-58.html

         Die Welt des späten 20. oder frühen 21. Jahrhunderts lässt sich also durch einen Rückgriff auf die Logik der Religionskriege früherer Epochen erklären. Eine brillante analytische Meisterleistung.  

Aber wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass die Dame nicht bei einer Freund-Feind-Bestimmung in religiösen Kategorien stehen bleibt. Denn ihrer Logik zufolge gibt es, neben der konfessionnellen, auch noch eine Kollektivzugehörigkeit und –verantwortung – die sie zwar nicht in ihren eigenen Worten als Logik der « Rasse » bezeichnen würde, aber genau so präsentiert. Beispielsweise zog sich der Verfasser dieser Zeilen Vorwüfe seitens der holden Dame zu, weil er anlässlich des Erscheinens eines Beitrags (www.jungle-world.com/seiten/2006/09/7258.php) in der Jungle World nicht genügend über die Abstammung eines in ein Verbrechen verwickelten jungen Mädchens berichtet hatte und also die Rolle der 16jährigen bei der Vorbereitung des nämlichen Verbrechens nicht mit ihrem genetischen Code – « Iranerin » – in Zusammenhang bringen mochte.  

Konkreter Anlass war die Publikation eines Beitrags über ein Aufsehen erregendes Verbrechen, das Anfang dieses Jahres in Frankreich begangen wurde: die Entführung und Ermordung des jungen Juden Ilan Halimi durch eine kriminelle Bande, die Geld erpressen wollte (und meinte, es bei automatisch « reichen Juden » finden zu können). Unsere rassende Schreibtisch-« Reporterin » moniert:

Unterschlagen wird die seit Tagen bekannte Tatsache, daß es sich bei dem Lockvogel für Ilan Halimi um ein 17-jähriges iranisch-stämmiges junges Mädchen aus Sceaux handelt (…).In der Jungle World heißt es dazu: ‘Die 16-jährige, die im Auftrag einer Bande agierte, wurde am vorigen Freitag in Aulnay-sous-Bois festgenommen.’ Nicht erwähnenswert ist der Jungle World die Herkunft des Lockvogels, einer iranisch-stämmigen ehemaligen Freundin des 25-jährigen Bandenchefs Youssouf Fofana. (…)Vielleicht befürchtet der Berichterstatter eine Protestnote der Islamischen Republik Iran oder gar eine Morddrohung der Hezbollah, wenn er die Fakten berichtet, oder sollen hier einmal mehr die islamistischen Hintergründe der Täter linksbündig verschleiert werden? » (Quelle: www.eussner.net/artikel_2006-03-02_23-44-26.html

         Nun, « unterschlagen » wurde zwar in dem fraglichen Bericht gar nichts, was an aussagekräftigen Informationen zur Verfügung stand. Aber man kann es für ein bewahrenswertes politisches Prinzip handeln, dass die « ethnische » Herkunft und Abstammung (Stichwort « -stämmiges ») einer Person nichts in der Berichterstattung über ihre Handlungen und Taten zu suchen haben, sofern jedenfalls diese Herkunft nicht in einem inhaltlichen Zusammenhang zu diesen Handlungen und Taten steht. Dies war in dem fraglichen Beispiel nicht der Fall, denn zugetragen hatte sich folgendes: Die kriminelle Bande unter ihrem Anführer Youssouf Fofana hatte sich der Dienste dieser und anderer minderjähriger Zuträgerinnen bedient, um ihre (potenziellen) Opfer durch ein fingiertes Date – mit sexuellen Absichten – in eine Falle zu locken. Dabei waren die Zuträgerinnen bzw. « Lockvögel » unterschiedlicher Herkunft. Eine blonde und weibe Französin namens Audrey L. (ihre Aussage lieb die Bande auffliegen) fand sich ebenso darunter wie die 16-, knapp 17jährige Y., um die es in diesem Falle geht. 

         Die Logik der sanften Dame Gudrun E. lautet nun so: Das Mädchen ist « iranischstämmig », was nichts anderes bedeutet, als dass sie in Frankreich geboren ist und ihre Vorfahren aus dem Iran dorthin einwanderten. Also hat sie qua Genetik etwas mit der im Iran herrschenden Islamischen Republik etwas zu tun, und die Tat hat notwendig « islamistisch(e) Hintergründe » – nach denen man vergeblich suchen dürfte. Und lässt sich, so wiederum Gudrun E., auf die einfache Formel bringen: « kriminell(e) Taten, bei denen Muslime als Täter und Juden als Opfer vorkommen », was sie im nächsten Satz nahtlos zu den Riots in den französischen Trabantenstädten übergehen lässt. (Quelle: oben zitierter Text) Nur: Die 16jährige, die als « Lockvogel » diente, hatte das Entführungsopfer Ilan Halimi nicht im Tschador « angebaggert », sondern sie war dabei sexy und vollkommen « unislamisch » angezogen. Sie spiegelte ihm die Aussicht auf eine aubereheliche sexuelle Beziehung vor, was den Vorschriften der Islamischen Republik Iran radikal widerspricht und für ein unverheiratetes junges Mädchen dort mit schweren Körperstrafen geahndet würde. Eine Verbindung zum politischen Regime, das im Iran herrscht, wurde – abgesehen von der Fantasie von Gudrun E. – bisher von niemandem im Zusammenhang mit der Entführungs- und Mordaffäre Ilan Halimi hergestellt. Andere « Lockvögel » ebenso wie mehrere der Bandenmitglieder hatten keinen moslemischen und./oder migrantischen Familienhintergrund. Und schlieblich lässt sich die betroffene Yalda X., die nunmehr auf ihre Anklage vor einem französischen Gericht wartet und sich für ihre Rolle bei der Vorbereitung eines schweren Verbrechens wird verantworten müssen, ebenso wie ein Teil der anderen Beteiligten eher als (materielle oder psychische) Elendsgestalt beschreiben. Die linksliberale Wochenzeitung Charlie Hebdo hat im März ihre Geschichte dargestellt: Von mehreren jungen Männern im Alter von 12 Jahren vergewaltigt, psychisch labil, äuberst leicht manipulierbar – sie gehört zum Kreis jener kaputten Existenzen, die ein skrupelloser Verbrecher wie der Bandenchef Youssouf Fofana, der vom « leicht verdienten Geld » träumte, für seine Zwecke instrumentalisieren konnte. 

         Bei Gudrun E. liest sich das anders: Qua Herkunft und Abstammung (also Volks- und Rassenzugehörigkeit, wie Andere sich ausdrücken würden) und vermuteter ( !) – aber in Wirklichkeit unbekannter – Konfessionszugehörigkeit stecken Yalda X., das iranische Regime, die revoltierenden Jugendlichen aus Einwandererfamilien vom November 2005 usw. automatisch unter einer Decke. Sie werden durch eine kollektive Verantwortung für ihre Taten zusammen gehalten. Wie überhaupt alle Moslems.  

Europa, mach’ die Schotten dicht…           

Nur folgerichtig ist angesichts eines solchen, mit Verlaub, eher rassistisch geprägten Weltbilds, dass die Dame auch die Abwehr gegen Zuwanderung in Frankreich und Europa predigt. Und dies wiederum im Namen der Verteidigung gegen den anstürmenden bösen Islam. 

Im Sommer 2005, kurz bevor sie auf eine Linie der Quasi-Unterstützung des französischen Innenministers und autoproklamierten konservativen Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkozy einschwenkt, versucht die Dame sich etwa an einer Kritik an dessen Einwanderungspolitik. An einer Kritik von rechts. Kurz zuvor hatte Sarkozy, nachdem er im Juni 2005 nach einjähriger Pause ins Innenministerium zurückgekehrt war, seine Konzeption zur künftigen Zuwanderungspolitik begründet. Sie basiert auf dem Begriffspaar von der « immigration choisie » (« ausgewählte Einwanderung » einer Elite aus beruflichen Spezialisten und Kapitalbringern, die es zu fördern gilt) und der « immigration subie » (durch Frankreich « erlittene Einwanderung », etwa durch Asylrecht und Familienzusammenführung, die es abzuwehren gilt). Bei unserer holden Dame liest sich das dann so : 

« Was die ‘gezielte Immigration’ (ANMERKUNG: gemeint ist die durch Sarkozy propagierte ‘ausgewählte Zuwanderung’)  angeht, so wiederholt er das am 11. Juli in Marseille: ‘Frankreich muß sich die Immigranten aussuchen, die es benötigt´ (…). Ein kühnes Unterfangen, da jetzt schon fünf Millionen Muslime im Lande wohnen, die meisten von ihnen mit französischer Staatsbürgerschaft. Was gibt´s da noch auszusuchen? » (Quelle: www.eussner.net/artikel_2005-07-12_03-52-17.html )  

Diese Aussage beinhaltet nichts anderes als die schlechte alte Parole « Das Boot ist voll », bei der zitierten Autorin freilich in der spezifischen Ausdrucksform: Hilfe, das Boot ist voll von Moslems! 

Nur noch wenig verwunderlich ist, dass die sanfte Dame sich daher auch für rassistisch motivierte Proteste gegen den Bau einer Moschee im Stadtbezirk Berlin-Pankow, die dort mabgeblich durch die NPD angeheizt werden, begeistern kann. Sie beflügeln die Holde dazu, folgendes, nun ja, sehr geschmackvolle Liedchen zu schmettern, dessen Worte sie einem imaginären moslemischen Anspruchsteller auf die Herrschaft über Berlin in den Mund legt: 

« ´nen Dürrjemüse biste,
Det is nich mehr dein Land,
Det is nu Dar al-Islam,
Wir ham dich in der Hand.
Entweder tuste beten
Mit hochjerecktem Arsch,
Oder wir wer´n dich kneten,
Det wird denn ziemlich harsch.

Wir sind die neuen Herren,
Die Olle drischt nich mehr,
Die jeht nu brav drei Schritte
´nem Muslim hinterher.
 »

(Quelle für diese überaus geschmachvolle Ode: www.eussner.net/artikel_2006-06-26_01-03-20.html ) 

Nun, die NPD würde die darin zum Ausdruck kommende Geisteshaltrung nicht verleugnen, oder jedenfalls nicht darauf spucken: « Det is nich mehr Dein Land », heibt es darin, nichts anders bedeutend als: Ein Staatsgebiet hat einem « Volk » zu gehören, und dieses soll nunmehr wieder endlich der Herr im eigenen Hause werden… 

Die muselmanische Weltverschwörung 

Klar ist für unsere sanfte Dame, dass die Moslems nach Weltherrschaft streben und diese auch zu erlangen drohen. Von dieser Idee ist sie im wahrsten Sinne des Wortes besessen. Wer meint, es sei übertrieben, in diesem Zusammenhang bei ihr eine Obsession der muselmanischen Weltverschwörung zu diagnostizieren, nehme im Originalton folgende Überschrift, die Gudrun E. auf der Startseite ihre Homepage für einen Beitrag wählte, der dort (laut vorhandenen Angaben) am 09. Juli 2006 um 00.28 Uhr eingestellt wurde: « Das Arabische Haus in Madrid und das Institut für arabische Studien in Córdoba … … sollen die Präsenz der arabischen Kultur in Spanien und in Europa fördern. Die ‘Protokolle der Weisen von Brüssel’ weisen den Weg in den Selbstmord Europas. »  (Die Kursivschrift markiert die Überschrift des Beitrags, Anm. d. Verf.)  

Auf, nun ja, brillante Weise analysiert Gudrun E. die internationalen Kräfteverhältnisse, die Beziehungen Staaten und – auf wirklich höchst subtile Weise – das Funktionieren der weltwirtschaftlichen Strukturen. Nämlich so: 

« Glanzvoll zu nennen ist diese Zeit » (gemeint ist die zurück liegende Amtsperiode von Romano Prodi an der Spitze der EU-Kommission) « vor allem für die weiter fortschreitende Islamisierung der EU, für die Distanzierung der Europäer von den USA und Israel und die Verwandlung Europas in Eurabia. Dank Romano Prodi ist Europa dem Wunschbild der arabischen Staaten und ihrer Vertretungen, der Arabischen Liga und der Organization of the Islamic Conference (OIC), der Eingemeindung der Region in den Herrschaftsbereich der arabischen Staaten, ein gutes Stück näher gerückt. Dazu paßt ausgezeichnet sein Bündnis mit den Kommunisten und anderen Linken in Italien und in Europa. » (Quelle: www.eussner.net/artikel_2006-04-12_22-23-09.html.

Aber auch auf der Homepage der aubenpolitischen Pro-US-Pressure group der ehrenwerten Herren Thomas Uwer und Thomas von der Osten-Sacken sind diese brillanten Ausführungen verlinkt, nämlich unter: www.wadinet.de/news/iraq/newsarticle.php?id=2030 ; man beachte, dass sie wie manch anderer Artikel in der Rubrik « News Iraq » erschienen. Vorgebliche Aufgabe dieser Rubrik ist es, die geneigten, werten Leser mit Informationen darüber zu versorgen, was im Irak vor sich geht und zum Verständnis dessen beiträgt…) 

Diese hochkarätigen Erkentnisse muss man sich auf der Zunge ergehen lassen: Europa, so lautet die Diagnose, ist dabei, « in den Herrschaftsbereich der arabischen Staaten » einverleibt zu werden. Doch doch, daran müsst Ihr glauben… Nicht ungewöhnlich in rechten Verschwörungstheorien ist dabei, dass der innenpolitische Feind (gerne: « die Kommunisten ») die fünfte Kolonne einer internationalen Verschwörung auf dem jeweiligen staatlichen Boden abgibt.  

Einwanderung, « illegale » zumal, bietet ansonsten natürlich ebenfalls einen prächtigen Nährboden, um nach Spuren der groben Verschwörung zu suchen. So zitiert die Autorin apologetisch einen gewissen Daniel Pipes. Bei ihm handelt es sich um einen US-amerikanischen Rechten und Verehrer des früheren Präsidenten Ronald Reagan, der (wie Gudrun E. selbst und die beiden NGO-Lobbyisten Uwer/Osten-Sacken sowie eine Reihe von Ideologen der « Antideutschen » auch) im deutschsprachigen Raum regelmäbig bei der Zeitung www.juedische.at veröffentlicht, die politisch die israelische Militärpolitik unterstützt. (Dort hat er es u.a. indirekt als positiv bezeichnet, wenn Sunniten und Schiiten im Irak übereinander herfallen, weil ein konfessionneller innerer Bürgerkrieg die Bedrohung für die westlichen Besatzungsmächte Westen und ihre Truppen abnehmen lasse: « Wenn sunnitische Terroristen Schiiten angreifen und umgekehrt, wird es weniger wahrscheinlich, das Nichtmuslime verletzt werden. Kurz gesagt: Bürgerkrieg im Irak wäre eine humanitäre Tragödie, aber keine strategische. » Zitiert nach: Daniel Pipes, « Bürgerkrieg im Irak ? », Eintrag auf oben zitierter Webpage vom 01. März 2006) Pipes, von der holden Dame zitiert, hatte über Spanien geschrieben, dass es « das der illegalen Immigration am meisten ausgesetzte westliche Land ist, was es besonders verwundbar macht … Diese Frage wird in Zukunft vorherrschend sein ». Die Einwanderung (als solche), eine fünfte Kolonne für den Djihad… (Quelle: www.eussner.net/fundsachen_2006-07-05_15-07-46.html )  

         Bürger aufgepasst! Vorsicht ist geboten, denn die muslemanische 

Weltverschwörung lauert bereits überall. Auch dort, wo man sie nicht vermutet hätte. Eine ethnozentristische Sekte von französischen Schwarzen unter dem Namen « Tribu K » (vgl. www.trend.infopartisan.net/trd0606/t390606.html ), die vorgibt, eine neue Religion erfunden zu haben (in welcher die aus Afrika stammenden Schwarzen « das auserwählte Volk » darstellen) und einen altägyptischen Gott mit Namen Aton anzubeten, droht mit Gewalt ? Bei Gudrun E. handelt es sich um eine « Muslimbande » (www.eussner.net/artikel_2006-06-28_01-14-48.html ), deren Wirken gleich noch mit dem von französischen Rappern aus der schwarzafrikanischen Migrationsbevölkerung kurzgeschaltet wird. Die Moslems tragen einfach an allem Schuld! Selbst dort, wo sie sich hinter einer neuheidnischen Sekte verbergen, die nun nichts, aber wirklich nichts Muslimisches hat… 

         Wenn sich eine Obsession zur Zwangsvorstellung verdichtet 

         Sofern der Geist erst entsprechend « geschärft » ist, dann springt er natürlich auf jeden äuberen Reiz an, und man erblickt die einmal ausgemachte Weltverschwörung hinter jedem noch so (politisch) unscheinbaren Vorgang. Ein Metrozug im spanischen Valencia wird (Anfang Juli dieses Jahres) in einen schweren Unfall verwickelt, bei dem etwa 40 Menschen getötet werden? Klarer Fall: Der Moslam war‘s!!  Und da man es nicht belegen kann, suggeriert man es einfach. Originalton: 

« Die betroffenen Menschen werden ihre Zeit damit verbringen zu überlegen, ob sie die Zahlung (Anm. d. Verf.: die von den spanischen Behörden angebotene Entschädigung) annehmen oder mehr fordern. Vom Zugführer und seiner Identität ist nirgends mehr die Rede. Ist er vielleicht ein Spanier indischer bzw. pakistanischer Abstammung?  (…) Der Inder, der in die Fanmeile in Berlin gerast ist, ist kein Inder, wie zunächst behauptet wurde, sondern ein Pakistani, seine Mutter saß nebendran, mit Kopftuch, wie Augenzeugen berichten. Ich danke G.Z. für den Hinweis auf den Link. In Frankreich ist es ebenfalls üblich, solche für ihren Glauben mordenden Muslime in die Psychiatrie einzuweisen. » (Quelle: www.eussner.net/artikel_2006-07-04_22-37-42.html . Der Beitrag ist inzwischen gelöscht worden, oder präziser : er ist nicht mehr auf der Startseite verlinkt.) 

Womit wir zwar – gemeinsam mit der oben wiedergegebenen Autorin – von einem Ereignis zum anderen gehüpft wären, die in keinerlei noch so entferntem Zusammenhang miteinander stehen und durch ein riesengrobes « Vielleicht » miteinander verknüpft werden. Aber was soll’s ? Hat sich das Ressentiment, hat sich der Hass auf eine bestimmte Menschengruppe, erst einmal genügend verfestigt und verdichtet, dann benötigt man auch keinen Anhaltspunkt in der Wirklichkeit mehr. Das Ressentiment wird dann wahrnehmungsresistent.  

Unsere sanfte Dame lässt übrigens die Passage des oben zitierten Beitrags, in dem über die Präsenz des Menschheitsfeinds alias ‘Der Moslem’ auch bei dem U-Bahn-Unfall im spanischen Valencia spekuliert wird, auch dann unverändert, als längst klar ist, dass der Fahrer des Unglückszugs k e i n Pakistani, Araber oder sonstiger verdächtiger Einwanderer war. Sie fügt zwar in der Folgezeit, weiter unten im Artikel, die Information ein: « Inzwischen hat der Zugführer einen spanisch-christlichen Namen: Joaquín Pardo. » (« Inzwischen »… Man darf vermuten, dass der gute Mann schon seit längerem so hieb, nämlich ungefähr seit seiner Geburt.) Aber die Passage, in dem ihre wirklichkeitsresistente Obsession bezüglich möglicher moslemischer Hintergründe des Unglücks zum Vorschein kommt, bleibt auch danach noch unverändert, und der Beitrag bleibt in dieser Form noch drei Tage auf ihrer Startseite verlinkt. Inzwischen ist der o.g. Artikel noch über den Link, aber nicht mehr über ihre Startseite zugänglich (Stand: 09. Juli). Klar geworden sein dürfte: So funktioniert eine Wahnideologie! 

Interessanter noch als die Frage, was im Kopf solcher AutorInnen nur vorgehen mag, ist unterdessen, warum selbst sich scheinbar seriös gebende NGOs wie die Pro-US-Pressure group Wadi e.V. (auf ihrer weiter oben zitierten Homepage) das Werk solchert « DenkerInnen » wie eine seriöse Quelle dokumentieren können. Aubenpolitischer Nutzen? Oder doch strukturelle Nähe zu eigenen Vorstellungen, die man aufgrund realpolitischer Rücksichtnahmen nur nicht so offen aussprechen kann?